Was VW mit uns zu tun hat:

Kommentar unseres imu Partners Thomas Eisinger zum VW Skandal

Was VW mit uns zu tun hat

Thomas Eisinger, imu Partner, Oktober 2015

Der Skandal um die gefälschten Abgaswerte bei VW erschüttert den Konzern, den DAX und sogar unser gutes Made in Germany! Mit so etwas hätte bei uns keiner gerechnet. Niemals. Vielleicht in Griechenland. Oder Osteuropa. Da ist doch Korruption an der Tagesordnung. Aber hier? Wir sind doch nicht nur Fußball- sondern auch Moralweltmeister!?

Und doch ist es geschehen. Menschen haben versagt. Das gesamte „Compliance“-System zur Verhinderung von unmoralischen Verhalten konnte es nicht verhindern. Warum?

Hierauf gibt es sicher eine Vielzahl von mehr oder weniger komplexen Antworten. Oder auch nur eine Einzige: es war und ist eine Frage der Kultur. Nicht der Imagebroschürenkultur sondern der gelebten Firmenkultur. Denn diese legt in Wirklichkeit fest, was in einem Unternehmen möglich ist und was nicht. Was „die da oben“ tolerieren (weil sie es ja selbst so oder so ähnlich machen) und wo man wirklich vorsichtig sein muss. Es sind die ungeschriebenen Gesetze, die es in jedem Unternehmen gibt, welche die tatsächlichen No-Go’s definieren..

Und im Ernst: wer möchte denn gerne den Spielverderber spielen? Im Meeting dem Vorstand widersprechen oder mutig zu seiner Meinung stehen, wohl wissend, dass die eigene Karriere damit die nächsten drei Jahre in der Warteschleife kreisen wird?

Und „die da oben“, die Vorstände, „der Chef“: haben die denn keine Moral? Oder warum tun die das, warum lassen sie es zu? Tatsächlich gibt es eine Menge Gründe, und die wenigsten haben etwas mit moralischer Verkommenheit zu tun: der nächste Quartalsbericht, die Marktanteile im Wettbewerb, Druck von den Eigentümern, neue Wettbewerber etc. etc. Getragen von einem Leistungsmess-System, das vor allem auf harten Zahlen beruht.

Vieles davon ist im Einzelnen nachvollziehbar und jeder der dies hier liest sitzt mit im Glashaus und sollte seinen Stein besser stecken lassen. Und dennoch: man kann nicht KEINE Kultur haben. Im integralen Management wird der Firmenkultur ein ganzes Feld (von Vieren) gewidmet, so groß ist wird deren Bedeutung taxiert. Denn sie definiert die Leitplanken, die Handlungsspielräume, die karriererelevanten Kriterien. Und sie entsteht nie zufällig. Die Unternehmenskultur ist ein Spiegelbild der gelebten Unternehmenswirklichkeit.

Die gute Nachricht: Kultur lässt sich entwickeln, gestalten, transformieren. Nicht auf dem Papier sondern in der Praxis, mit den Führungskräften und Mitarbeitern gemeinsam. Denn vielleicht ist es das Teuerste, was sich ein Vorstand heute erlauben kann: die eigene Kultur nicht bewusst und aktiv zu gestalten.

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Zitat
"Das imu augsburg begleitet mich persönlich und die WBS hervorragend - gerade bei herausfordernden Transformationsschritten, wie sie in unserer Zeit immer öfter anstehen. "
Heinrich Kronbichler
WBS TRAINING AG, Vorstand